Bandscheibenvorfälle entlang der Wirbelsäule sind meist Folge von Alterung und Abnutzung. Ein thorakaler Bandscheibenvorfall ist jedoch deutlich seltener als in der Hals- oder Lendenwirbelsäule, da das Rippenskelett zusätzliche Stabilität bietet. Die Beschwerden beginnen oft schleichend und sind unspezifisch, weshalb die Diagnose verzögert sein kann. Häufig werden auch asymptomatische Vorfälle zufällig entdeckt und benötigen keine Therapie. Eine Operation ist erst bei ausgeprägten Beschwerden oder relevanter Kompression von Rückenmark oder Nerven angezeigt.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?
Bei einem Bandscheibenvorfall entstehen im äusseren Faserring der Bandscheibe (Anulus fibrosus) Risse, so dass aus dem Innenraum der Bandscheibe (Nucleus pulposus) Gewebestücke in den Nervenkanal austreten können. Diese Bandscheibenstücke können nun Nerven oder Rückenmark komprimieren und entsprechende Symptome verursachen. Im Bandscheibenfach selbst finden keine körpereigenen Reparaturmechanismen statt, weshalb eine vorangeschrittene Degeneration nicht mehr spontan abheilen kann.
Was ist die Ursache für einen Bandscheibenvorfall?
Ein Bandscheibenvorfall ist die Folge von Alterung und Abnutzung der Wirbelsäule, die bereits ab dem 20. Lebensjahr einsetzen. Die Erkrankungshäufigkeit nimmt bis zum 45. Lebensjahr kontinuierlich zu und sinkt dann wieder etwas ab.
Schwere körperliche Arbeit, Fehlbelastung und genetische Faktoren begünstigen diese Abnutzungsprozesse und degenerativen Veränderungen.
Zusätzliche Risikofaktoren wie beispielsweise Rauchen spielen ausserdem eine wichtige Rolle.
Wie häufig kommen thorakale Bandscheibenvorfälle vor?
Weniger als 1 % aller Bandscheibenvorfälle sind in der Brustwirbelsäule lokalisiert. Am häufigsten erkranken Menschen im mittleren Lebensalter (40–60 Jahre) an einem thorakalen Bandscheibenvorfall. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Was sind die häufigsten Symptome?
Die Beschwerden durch einen Bandscheibenvorfall an der Brustwirbelsäule sind häufig unspezifisch, was die Diagnosestellung erschweren kann.
Häufige Symptome sind:
- Lokale Schmerzen im Rücken
Manchmal ist der Schmerz auch in der Brust oder im Bauch zu spüren. - Ausstrahlende Nervenschmerzen
Ist der abgehende Spinalnerv betroffen, kommt es klassischerweise zu gürtelförmigen Schmerzen im Bereich des Brustkorbs oder auch zu Sensibilitätsstörungen. - Myelopathie
Bei einer Kompression des Rückenmarks kann es zu einer Schädigung des Rückenmarks (Myelopathie) mit neurologischen Ausfällen unterhalb der Läsion kommen. Diese können von leichten Sensibilitäts- oder Koordinationsstörungen der Beine bis hin zu deutlichen Störungen wie Harninkontinenz oder selten auch zu einem hochgradigen Querschnittsyndrom reichen.
Wie wird ein thorakaler Bandscheibenvorfall diagnostiziert?
Jeder Diagnostik gehen eine ausführliche Befragung und fokussierte neurologische Untersuchung voraus. Der klinische Verdacht muss anschliessend mit einer Bildgebung bestätigt werden. Die Bildgebung der Wahl ist die Magnetresonanztomografie (MRT bzw. MRI von engl. Magnetic Resonance Imaging). Hier lassen sich Nerven, das Rückenmark und der Bandscheibenvorfall am besten darstellen. Eine grosse Anzahl der Diskushernien in der Brustwirbelsäule sind verkalkt. Deshalb ist es für die operative Planung wichtig, auch eine Computertomografie (CT) zu durchzuführen.
Selten sind zusätzliche Untersuchungen wie eine elektrophysiologische Messung der Nervenfunktion (evozierte Potenziale) notwendig, um eine Therapieentscheidung bezüglich einer Operation oder einer weiteren konservativen Behandlung zu treffen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Verursacht die Kompression des Nervs nur Schmerzen und keine weiteren Symptome, wird ein thorakaler Bandscheibenvorfall konservativ mit Schmerzmedikamenten und Physiotherapie behandelt. Bei ausbleibender Besserung, Lähmungen oder anhaltendem Leidensdruck muss eine Operation erwogen werden.
Sind durch die Nervenkompression neurologische Störungen entstanden, ist eine Operation unumgänglich. Beim thorakalen Bandscheibenvorfall ist häufig eine diagnostizierte Myelopathie der Grund für eine Operation. Ziel des Eingriffs ist es, ein Voranschreiten der Rückenmarksschädigung aufzuhalten. In vielen Fällen kommt es nach der Operation auch zu einer neurologischen Besserung, das Ausmass der Erholung ist aber trotz Operation oft inkomplett und hängt vom Schweregrad der Vorschädigung ab.
Da die Bandscheibenvorfälle der Brustwirbelsäule meist verkalkt sind, ist die Operation grundsätzlich technisch sehr anspruchsvoll. Sie muss oft von der Seite durch den Brustraum oder transdural, durch den Hirnwasserkanal, durchgeführt werden, wenn der Bandscheibenvorfall direkt hinter dem Rückenmark liegt und nicht von weicher Konsistenz ist.
Operative Verfahren beim thorakalen Bandscheibenvorfall
Aus zweierlei Gründen ist die Operation der thorakalen Diskushernie anspruchsvoll.
- Anatomische Situation
Das Rückenmark (Myelon) versperrt den Weg zum Bandscheibenvorfall. Darum ist es besonders wichtig, den Zugang präzise zu planen, um das Myelon möglichst wenig zu beeinträchtigen. Der klassische Zugang ist der transpedikuläre Zugang mit einseitiger Entfernung der Wirbelkörperbogenwurzel oder auch die Costotransversektomie mit Resektion des Rippenansatzes. Dabei kommt man schräg diagonal am Rückenmark vorbei und kann einen weichen Bandscheibenvorfall entfernen. Beim verknöcherten Bandscheibenvorfall muss man oft streng von der Seite über eine Spreizung zweier Rippen operieren. Damit kann man die Mobilisation des Rückenmarks reduzieren. Weil der Arbeitskanal sehr tief ist und die Operation trotzdem über einen minimalinvasiven Zugang durchgeführt wird, ist diese Technik anspruchsvoll. - Verkalkungen
Aufgrund von Ablagerungen und Verkalkungen ist die Konsistenz der thorakalen Diskushernie häufig sehr hart. Die Manipulation unmittelbar neben dem Rückenmark ist daher riskanter als bei anderen Bandscheibenvorfällen. Aufgrund der Nähe zum Rückenmark ist das Risiko einer neurologischen Verschlechterung grösser als bei Operationen der Halswirbelsäule und erfordert aus unserer Sicht immer ein intraoperatives Neuromonitoring der motorischen evozierten Potenziale und der D-Welle.

Behandlung einer Foramenstenose an der Brustwirbelsäule
Eine lokale Einengung des Nervenaustrittslochs (Foramen) kann eine isolierte Kompression des Interkostalnervs verursachen. Diese Einengung macht sich in stechenden, ziehenden oder brennenden Schmerzen bemerkbar, die von der Wirbelsäule entlang einer Rippe ausstrahlen. Die Therapie besteht in der lokalen minimalinvasiven Dekompression des Nervs über einen direkten Zugang am Rücken.

Wie lange dauert die Erholung?
Vom operativen Eingriff erholen Sie Sich schnell. Der stationäre Aufenthalt beträgt in der Regel eine Woche. Die neurologische Erholungszeit ist variabel und hängt vom Ausgangsbefund ab. Gegebenenfalls ist eine stationäre Neurorehabilitation in einer spezialisierten Klinik empfohlen.
Warum Sie sich am Inselspital behandeln lassen sollten
Am Inselspital werden Bandscheibenvorfälle in enger Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen behandelt. In der interdisziplinären Zusammenarbeit von Rheumatologie, Physiotherapie, Neurologie, Neuroradiologie, Schmerzzentrum und Orthopädie wird für jede Patientin und jeden Patienten die passende Behandlungsstrategie festgelegt.
Wenn eine Operation notwendig ist, erfolgt diese in der Regel minimalinvasiv und mikrochirurgisch über einen gewebeschonenden Zugang unter dem Operationsmikroskop.
Die Bandscheibenoperation gehört zu den häufigsten Eingriffen der Neurochirurgie am Inselspital.
Komplexe Fälle werden in einem interdisziplinären Board besprochen und bei Bedarf gemeinsam mit der Orthopädie operiert. Dadurch kann für jede Patientin und jeden Patienten die bestmögliche, individuell abgestimmte Therapie festgelegt werden.

