Endoskopische Hypophysenoperation durch die Nase

Bei der endoskopischen Hypophysenoperation entfernen wir das Hypophysenadenom minimalinvasiv durch die Nase. Dieser direkte transnasale Zugang ermöglicht eine gute Sicht auf den Tumor und die umliegenden Strukturen, ohne dass das Gehirn verlagert werden muss. Neurochirurgie und Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie arbeiten dabei eng zusammen, um den Tumor möglichst sicher zu entfernen und die Funktion der Nase zu erhalten.

Warum erfolgt der Zugang durch die Nase?

Die Hypophyse liegt an der Schädelbasis in einer knöchernen Vertiefung, dem sogenannten Türkensattel (Sella turcica). Oberhalb davon befinden sich die Sehnerven und die Sehnervenkreuzung. Der Weg durch die Nasenhöhle und die dahinterliegende Keilbeinhöhle führt von unten direkt zur Hypophyse. Dadurch ist kein Hautschnitt erforderlich und das Gehirn muss nicht zur Seite gehalten werden.

Den Zugang legen Fachärztinnen und Fachärzte der Neurochirurgie und der Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie gemeinsam mit einem Endoskop an. Dieses dünne Instrument mit Kamera und Lichtquelle überträgt vergrösserte Bilder auf einen Bildschirm. Die Nasenstrukturen und ihre Funktion sollen dabei bestmöglich geschont werden.

Wie läuft die Operation ab?

Zugang zur Hypophyse

Je nach Grösse und Ausdehnung des Tumors sowie den individuellen anatomischen Verhältnissen operiert das Team durch ein oder beide Nasenlöcher. Die Nasenmuscheln werden möglichst erhalten und vorübergehend zur Seite verlagert. Anschliessend wird die Vorderwand der Keilbeinhöhle geöffnet. So gelangt das Team zum knöchernen Boden des Türkensattels. Nach dem Öffnen von Knochen und Hirnhaut werden der Tumor und die gesunde Hypophyse sichtbar.

Entfernung des Tumors

Das Operationsteam löst die Tumorgrenzen vorsichtig und entfernt das Adenom. Wenn Lage und Grösse es erlauben, wird der Tumor möglichst an einem Stück entfernt. Grössere Tumore werden häufig zunächst von innen verkleinert und anschliessend schrittweise herausgelöst.

Rekonstruktion der Schädelbasis

Nach der Tumorentfernung wird der Zugang an der Schädelbasis sorgfältig verschlossen. 

In einfachen Fällen genügen dafür Kollagen- oder Fibrinklebe-Patches. Tritt während der Operation Hirnwasser (Liquor) aus, sind zusätzliche Massnahmen nötig. Je nach Befund können körpereigenes Fettgewebe aus dem Bauch, eine Naht der Hirnhaut, ein kleines Knochenstück oder eine Zuckermatrix verwendet werden.

Bei grösseren Defekten oder erweiterten Zugängen deckt das Team die Stelle mit einem gut durchbluteten Schleimhautlappen von der Nasenscheidewand ab (nasoseptaler Schleimhautlappen). Dieses Gewebe heilt in der Regel sehr gut ein. 

Nasentamponaden sind nach dem Eingriff routinemässig nicht erforderlich.

Welche Vorteile bietet das Endoskop?

Das Endoskop hat einen Durchmesser von etwa 4 Millimetern und liefert eine vergrösserte Panoramaansicht des Operationsgebiets. Mit gewinkelten Optiken kann das Team auch seitlich gelegene Bereiche einsehen und Tumorgewebe mit gebogenen Instrumenten entfernen. 

Besonders bei grossen, invasiven oder hormonaktiven Tumoren – zum Beispiel bei Morbus Cushing oder Akromegalie – kann dies gegenüber der mikroskopischen Technik Vorteile bieten*, *, *. Erweiterte Zugänge zur Schädelbasis sind endoskopisch ebenfalls möglich.

Bei kleinen, mittig gelegenen Tumoren können mikroskopische und endoskopische Verfahren vergleichbare Ergebnisse erzielen. In einer grossen Studie traten nach endoskopischen Eingriffen seltener neue Ausfälle von Hormonachsen auf als nach mikroskopischen Eingriffen: 9,7 % gegenüber 28,4 % *. Als mögliche Erklärung gilt die bessere Sicht auf die gesunde Hypophyse.

Gibt es Nachteile der endoskopischen Technik?

  • Die Operationsdauer hängt stark von der Tumorgrösse und den anatomischen Verhältnissen ab. In Studien beträgt sie durchschnittlich 3–5 Stunden *, *, *. Viele unkomplizierte Tumore können in 1,5–3 Stunden sicher entfernt werden.
  • Für die Operation sind in der Regel zwei Chirurginnen oder Chirurgen erforderlich: Eine Person führt die Instrumente, die andere das Endoskop.
  • Die Wundfläche der Nasenschleimhaut kann etwas grösser sein als bei der mikroskopischen Technik. Die nasenbezogene Lebensqualität ist bei beiden Verfahren vergleichbar *. Vorübergehende Riechstörungen treten nach endoskopischen Eingriffen häufiger auf, bleiben jedoch nur sehr selten dauerhaft bestehen *.

Am Inselspital führen wir Hypophysenoperationen vollständig endoskopisch durch.

Was geschieht nach der Operation?

Nach dem Eingriff werden Patientinnen und Patienten mindestens eine Nacht auf der Überwachungsstation (Intermediate Care Unit, IMC) betreut. Das Behandlungsteam kontrolliert insbesondere den Hormon-, Salz- und Wasserhaushalt. Bei einem unkomplizierten Verlauf ist der Austritt nach Hause meist nach 3–5 Tagen möglich.

Ausführliche Informationen zum Verhalten nach der Operation und zu den weiteren Kontrollen finden Sie in unserer Patienteninformationsbroschüre.

Welche Komplikationen sind möglich?

Die endoskopisch-transnasale Hypophysenoperation ist grundsätzlich ein sicherer Eingriff. Dennoch sind wie bei jeder Operation Komplikationen möglich. Das persönliche Risiko hängt unter anderem von Art, Grösse und Ausdehnung des Tumors sowie von den anatomischen Verhältnissen ab. Das Behandlungsteam bespricht die individuelle Situation vor der Operation ausführlich mit Ihnen.

  • Austritt von Hirnwasser (Liquorleck): In etwa 3–9 % der Fälle tritt nach der Operation Hirnwasser aus der Nase aus *, *, *, *, *. Ursache ist eine undichte Stelle in der dünnen Membran über dem Tumor. Meist muss diese mit einer weiteren Operation verschlossen werden.
  • Neue Hormonstörung: In 5–20 % der Fälle ist mittel- oder langfristig eine medikamentöse Hormonersatztherapie nötig *, *, *, *. Viele Hormonstörungen sind vorübergehend.
  • Vorübergehender ADH-Mangel (Diabetes insipidus): Bei etwa 8–15 % kommt es vorübergehend zu einer Störung des Wasser- und Salzhaushalts *, *. Dauerhaft bleibt diese nur sehr selten bestehen.
  • Verzögerte Salzstörung (SIADH): Bei etwa 15–30 % wird vorübergehend zu viel Wasser im Körper zurückgehalten *. Eine vorsorglich begrenzte Trinkmenge kann schwere Verläufe weitgehend verhindern. Meist normalisiert sich der Haushalt innerhalb von 2–3 Wochen.
  • Stärkeres Nasenbluten: etwa 1–8 % *, *, *.
  • Störung von Hirnnerven mit Doppelbildern: Bei unkomplizierten Hypophysenadenomen tritt dies in weniger als 1 % der Fälle auf *. Bei hormonaktiven Tumoren, die in den benachbarten venösen Blutleiter (Sinus cavernosus) eingewachsen sind, ist das Risiko höher. Meist bilden sich die Beschwerden innerhalb mehrerer Monate zurück.

Unsere Ergebnisse im Qualitätsvergleich

Wir erfassen unsere Behandlungsergebnisse fortlaufend und vergleichen sie mit internationalen Daten. Für endoskopische Operationen von Hypophysenadenomen am Inselspital im Zeitraum April 2025 bis April 2026 ergaben sich die folgenden Werte. Bösartige Tumore und erweiterte Zugänge zur Schädelbasis sind in dieser Auswertung nicht enthalten.

ErgebnisAnteil
Erneute Operation wegen Liquorleck3,7 %
Erneute Operation wegen Tumorrest3,7 %
Neue Substitution einer Hormonachse:14,8 %*
Verletzung der Arteria carotis interna0 %
Hirnhautentzündung (Meningitis)0 %
Todesfälle0 %

* Langzeitergebnisse stehen noch aus.

Unsere Behandlungsgrundsätze

  • Neurochirurgie und Hals-Nasen-Ohren-Chirurgie arbeiten eng zusammen.
  • Wir überprüfen unsere Behandlungsergebnisse regelmässig, um die Qualität kontinuierlich zu verbessern.
  • Wir planen jede Operation individuell und risikoadaptiert. Einen Operationsschritt führen wir nur durch, wenn der erwartete Nutzen das damit verbundene Risiko rechtfertigt.
  • Wir legen grossen Wert darauf, die Struktur und Funktion der Nase zu erhalten und die Nachsorge sorgfältig zu planen.
  • Wir informieren offen über das Ziel der Operation, die Erfolgsaussichten, mögliche Risiken und Behandlungsalternativen.

Referenzen

  1. Dorward NL. Endocrine outcomes in endoscopic pituitary surgery: a literature review. Acta Neurochir (Wien). 2010;152(8):1275-9.

  2. Tang OY, Chen JS, Monje S, Kumarapuram S, Eloy JA, Liu JK. Comparison of Surgical Modalities for Giant Pituitary Adenoma: A Systematic Review and Meta-Analysis of 1413 Patients. Oper Neurosurg. 2025;28(1):1-18.

  3. Chen CJ, Ironside N, Pomeraniec IJ, Chivukula S, Buell TJ, Ding D, et al. Microsurgical versus endoscopic transsphenoidal resection for acromegaly: a systematic review of outcomes and complications. Acta Neurochir (Wien). 2017;159(11):2193-207.

  4. Little AS, Kelly DF, White WL, Gardner PA, Fernandez-Miranda JC, Chicoine MR, et al. Results of a prospective multicenter controlled study comparing surgical outcomes of microscopic versus fully endoscopic transsphenoidal surgery for nonfunctioning pituitary adenomas: the Transsphenoidal Extent of Resection (TRANSSPHER) Study. J Neurosurg. 2020;132(4):1043-53.

  5. Gao Y, Zhong C, Wang Y, Xu S, Guo Y, Dai C, et al. Endoscopic versus microscopic transsphenoidal pituitary adenoma surgery: a meta-analysis. World J Surg Oncol. 2014;12:94.

  6. Gurses ME, Gökalp E, Gecici NN, Shah KH, Baboun SR, Eatz TA, et al. The learning curve and outcomes of 1038 endoscopic endonasal transsphenoidal pituitary tumor surgeries - A single surgical team experience. Surg Neurol Int. 2024;15:407.

  7. Osborne C, Lewis D, Dixon B, Caputo C, Magee A, Gnanalingham K, et al. Equivalent outcomes in nasal symptoms following microscopic or endoscopic transsphenoidal surgery: results from multi-centre, prospective study. Acta Neurochir (Wien). 2022;164(6):1589-97.

  8. Starke RM, Raper DM, Payne SC, Vance ML, Oldfield EH, Jane JA, Jr. Endoscopic vs microsurgical transsphenoidal surgery for acromegaly: outcomes in a concurrent series of patients using modern criteria for remission. J Clin Endocrinol Metab. 2013;98(8):3190-8.

  9. Dallapiazza R, Bond AE, Grober Y, Louis RG, Payne SC, Oldfield EH, et al. Retrospective analysis of a concurrent series of microscopic versus endoscopic transsphenoidal surgeries for https://doi.org/10.1186/1477-7819-12-94Knosp Grades 0-2 nonfunctioning pituitary macroadenomas at a single institution. J Neurosurg. 2014;121(3):511-7. 

  10. Stroud A, Dhaliwal P, Alvarado R, Winder MJ, Jonker BP, Grayson JW, et al. Outcomes of pituitary surgery for Cushing's disease: a systematic review and meta-analysis. Pituitary. 2020;23(5):595-609. 
     

  11. Thakur JD, Corlin A, Mallari RJ, Yawitz S, Eisenberg A, Sivakumar W, et al. Complication avoidance protocols in endoscopic pituitary adenoma surgery: a retrospective cohort study in 514 patients. Pituitary. 2021;24(6):930-42.

  12. Fatemi N, Dusick JR, Mattozo C, McArthur DL, Cohan P, Boscardin J, et al. Pituitary hormonal loss and recovery after transsphenoidal adenoma removal. Neurosurgery. 2008;63(4):709-18; discussion 18-9.

  13. Agam MS, Wedemeyer MA, Wrobel B, Weiss MH, Carmichael JD, Zada G. Complications associated with microscopic and endoscopic transsphenoidal pituitary surgery: experience of 1153 consecutive cases treated at a single tertiary care pituitary center. J Neurosurg. 2019;130(5):1576-83.

  14. Losa M, Mortini P, Barzaghi R, Ribotto P, Terreni MR, Marzoli SB, et al. Early results of surgery in patients with nonfunctioning pituitary adenoma and analysis of the risk of tumor recurrence. J Neurosurg. 2008;108(3):525-32.