Forschung Funktionelle Neurochirurgie

Die funktionelle Neurochirurgie befasst sich mit Erkrankungen, die keine strukturelle Ursache haben, sondern auf Fehlfunktionen des Nervensystems beruhen. Dazu gehören Bewegungsstörungen wie Parkinson oder Tremor, Hirnfunktionsstörungen wie Epilepsie oder Tourette sowie Schmerzerkrankungen wie Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen. Diese Krankheiten beeinträchtigen die Lebensqualität, Beweglichkeit und Selbstständigkeit von Millionen Menschen weltweit. Fortschritte in der Forschung ermöglichen neue Therapien und bessere Diagnosen, die Betroffenen ein aktiveres und schmerzfreieres Leben ermöglichen. Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, Leid zu lindern und medizinische Innovationen zu fördern.

Wo steht die Forschung zur funktionellen Neurochirurgie heute?

Die Forschung zu Bewegungsstörungen, Hirnfunktionsstörungen und Schmerzerkrankungen macht dank moderner Technologien und interdisziplinärer Ansätze stetige Fortschritte. 

Bei Bewegungsstörungen wie Parkinson liegt der Fokus auf Biomarkern für eine frühere Diagnose und verbesserten Therapien wie der Tiefenhirnstimulation (engl. Deep Brain Stimulation oder kurz DBS) oder dem fokussierten Ultraschall. 

Bei Hirnfunktionsstörungen wie Epilepsie oder Depression eröffnen genetische Analysen, innovative Bildgebungsverfahren und personalisierte Neuromodulation neue Behandlungsmöglichkeiten. 

In der Schmerzforschung rücken zentrale Mechanismen wie Neuroinflammation und neuronale Plastizität in den Mittelpunkt, während neuartige Technologien wie KI und tragbare Devices für personalisierte Therapien genutzt werden. 

Trotz dieser Fortschritte bleiben viele Fragen offen, was eine kontinuierliche Förderung der Forschung dringend notwendig macht.

News-Artikel

Brain Week 2025 – Podiumsdiskussion «Mythos oder Wahrheit»
Die Brain Week Bern schliesst traditionell mit der beliebten Podiumsdiskussion. In der gut besuchten Aula der Uni Bern gab es spannende Einblicke zur…
Versuchsteam EEG-System
Neue Ära in der Langzeitüberwachung des Gehirns
Ein neues EEG-System könnte die Behandlung der Epilepsie und die Forschung zu anderen neurologischen Erkrankungen grundlegend verändern.
Epilepsieanfälle gezielt auslösen und aufnehmen
Ärzte der Universitätskliniken für Neurochirurgie, Neurologie und Nuklearmedizin haben eine wegweisende Methode entdeckt, um Epilepsieanfälle gezielt…
Wahrheit oder Mythos – Brainweek 2024
Zum Abschluss der Woche des Gehirns wurden provokative Thesen von Persönlichkeiten der Neurochirurgie und Neurologie des Inselspitals Bern diskutiert.
Hinter den Kulissen – eine Reportage aus dem OP
Begleiten Sie unser Filmteam, das den Ärzt:innen der Neurologie und Neurochirurgie bei einer Tiefen Hirnstimulation über die Schultern geschaut hat.
Erstmals Studie zur Burst-Tiefenhirnstimulation
Die europaweit erste randomisierte Studie untersucht die Wirkung der Burst-Tiefenhirnstimulation bei neuropathischen Schmerzen.
Podcast Der hirnstimulierte Patient
Das SRF-Wissenschaftsmagazin begleitet einen Patienten, der sich am Inselspital Bern zwei Elektroden in beide Hirnhälften implantieren lässt.
Grosser Fortschritt bei der tiefen Hirnstimulation
Optimaler Stimulationsort für eine effektive Behandlung von Tremorpatienten mit tiefer Hirnstimulation identifiziert.

Aktuelle Studien und Projekte der funktionellen Neurochirurgie

Burst-DBS-Studie

Burst-Tiefenhirnstimulation (DBS) bei chronischen neuropathischen Gesichtsschmerzen und neuropathischen Schmerzen nach Schlaganfall

Etwa 1–10 % aller Schlaganfallpatienten entwickeln im Anschluss ein chronisches neuropathisches Schmerzsyndrom, das mit konventionellen Therapien und Medikamenten oft nur unzureichend behandelt werden kann. In diesen Fällen gibt es alternative Behandlungsmethoden wie die Tiefenhirnstimulation. Bei diesem Verfahren werden Elektroden an bestimmte anatomische Strukturen des Gehirns implantiert, um therapeutische Stromimpulse abzugeben. Trotz anfänglich gutem Ansprechen auf diese Therapie kommt es bei vielen Patienten im Verlauf leider zu einer Rückkehr der Schmerzen bis auf das Ausgangsniveau.

In unserem Forschungsvorhaben wollen wir nun herausfinden, ob eine neue Stimulationsform, die sogenannte Burst-Stimulation, bei Patienten mit Tiefenhirnstimulation im Bereich des Thalamus gut wirkt bzw. gleich gut oder besser wirkt.

Studienleiter:PD Dr. med. Andreas Nowacki
Studienkoordinatorin:Nicole Söll
Studienregister:NCT05204472

Burst-DBS-Studie

Post-Stroke-Pain-Studie

Neuronale Reorganisation bei zentralem Schmerzsyndrom nach Schlaganfall: Eine fMRI Studie

Nach einem Schlaganfall leiden manche Patienten unter einem besonderen Schmerzsyndrom, das im Gehirn entsteht und sehr schwer zu behandeln ist. Bisher ist kaum verstanden, warum nur ein kleiner Teil der Betroffenen solche Schmerzen entwickelt, obwohl bei vielen die gleichen Hirnregionen betroffen sind. 

In unserer Studie nutzen wir moderne Magnetresonanztomografie, um die Gehirne von Patienten mit ähnlichen Schlaganfallmustern zu untersuchen – sowohl bei jenen mit Schmerzen als auch bei jenen ohne. Auf diese Weise wollen wir die Ursachen dieses Schmerzsyndroms besser verstehen und neue Ansätze finden, um Betroffenen in Zukunft gezielter helfen zu können.

Studienleiter:PD Dr. med. Andreas Nowacki
Studienkoordinatorin:Nicole Söll
Studienregister:NCT05335668
BASEC-Nummer:2020-02640

Projekt Endovaskuläre EEG-Sonden zur präzisen Lokalisierung epileptischer Herde

Flow driven endovascular electroencephalography (endoEEG) probes for epilepsy treatment

In diesem gemeinsamen Forschungsprojekt entwickeln Prof. Dr. med. Claudio Pollo (Neurochirurgie Inselspital) und Prof. Dr. med. Maxime Baud (Neurologie Inselspital) sowie Prof. Dr. Mahmut Selman Sakar (Laboratoire de Systèmes MicroBioRobotiques, EPFL) neuartige endovaskuläre EEG-Technologien zur präzisen Lokalisation epileptischer Aktivität im Gehirn. 

Für die chirurgische Behandlung von medikamentenresistenter Epilepsie muss im Vorfeld der genaue Ursprungsort der epileptischen Anfälle im Gehirn präzise und sicher bestimmt werden. Erforscht wird hierfür eine neue Methode: das endovaskuläre EEG (endoEEG). Dabei werden EEG-Signale über Blutgefässe im Gehirn gemessen, was weniger invasiv ist als bisherige Verfahren mit direkt implantierten Elektroden.

Ziel des Projekts ist es, in präklinischen Experimenten zu zeigen, dass diese Methode:

  1. Gehirnsignale aus der motorischen Hirnrinde zuverlässig aufzeichnen kann,
  2. epileptische Anfälle erkennt, die gezielt ausgelöst wurden, und
  3. den epileptischen Herd sehr genau räumlich lokalisieren kann.

Langfristig soll endoEEG helfen, Epilepsieoperationen sicherer und präziser zu machen.

Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziell unterstützt und vereint klinische Expertise mit ingenieurwissenschaftlicher Spitzenforschung.