
Die funktionelle Neurochirurgie befasst sich mit Erkrankungen, die keine strukturelle Ursache haben, sondern auf Fehlfunktionen des Nervensystems beruhen. Dazu gehören Bewegungsstörungen wie Parkinson oder Tremor, Hirnfunktionsstörungen wie Epilepsie oder Tourette sowie Schmerzerkrankungen wie Migräne oder Cluster-Kopfschmerzen. Diese Krankheiten beeinträchtigen die Lebensqualität, Beweglichkeit und Selbstständigkeit von Millionen Menschen weltweit. Fortschritte in der Forschung ermöglichen neue Therapien und bessere Diagnosen, die Betroffenen ein aktiveres und schmerzfreieres Leben ermöglichen. Mit Ihrer Unterstützung helfen Sie, Leid zu lindern und medizinische Innovationen zu fördern.
Wo steht die Forschung zur funktionellen Neurochirurgie heute?
Die Forschung zu Bewegungsstörungen, Hirnfunktionsstörungen und Schmerzerkrankungen macht dank moderner Technologien und interdisziplinärer Ansätze stetige Fortschritte.
Bei Bewegungsstörungen wie Parkinson liegt der Fokus auf Biomarkern für eine frühere Diagnose und verbesserten Therapien wie der Tiefenhirnstimulation (engl. Deep Brain Stimulation oder kurz DBS) oder dem fokussierten Ultraschall.
Bei Hirnfunktionsstörungen wie Epilepsie oder Depression eröffnen genetische Analysen, innovative Bildgebungsverfahren und personalisierte Neuromodulation neue Behandlungsmöglichkeiten.
In der Schmerzforschung rücken zentrale Mechanismen wie Neuroinflammation und neuronale Plastizität in den Mittelpunkt, während neuartige Technologien wie KI und tragbare Devices für personalisierte Therapien genutzt werden.
Trotz dieser Fortschritte bleiben viele Fragen offen, was eine kontinuierliche Förderung der Forschung dringend notwendig macht.
News-Artikel
Aktuelle Studien und Projekte der funktionellen Neurochirurgie
Burst-DBS-Studie
Burst-Tiefenhirnstimulation (DBS) bei chronischen neuropathischen Gesichtsschmerzen und neuropathischen Schmerzen nach Schlaganfall
Etwa 1–10 % aller Schlaganfallpatienten entwickeln im Anschluss ein chronisches neuropathisches Schmerzsyndrom, das mit konventionellen Therapien und Medikamenten oft nur unzureichend behandelt werden kann. In diesen Fällen gibt es alternative Behandlungsmethoden wie die Tiefenhirnstimulation. Bei diesem Verfahren werden Elektroden an bestimmte anatomische Strukturen des Gehirns implantiert, um therapeutische Stromimpulse abzugeben. Trotz anfänglich gutem Ansprechen auf diese Therapie kommt es bei vielen Patienten im Verlauf leider zu einer Rückkehr der Schmerzen bis auf das Ausgangsniveau.
In unserem Forschungsvorhaben wollen wir nun herausfinden, ob eine neue Stimulationsform, die sogenannte Burst-Stimulation, bei Patienten mit Tiefenhirnstimulation im Bereich des Thalamus gut wirkt bzw. gleich gut oder besser wirkt.
| Studienleiter: | PD Dr. med. Andreas Nowacki |
| Studienkoordinatorin: | Nicole Söll |
| Studienregister: | NCT05204472 |
Post-Stroke-Pain-Studie
Neuronale Reorganisation bei zentralem Schmerzsyndrom nach Schlaganfall: Eine fMRI Studie
Nach einem Schlaganfall leiden manche Patienten unter einem besonderen Schmerzsyndrom, das im Gehirn entsteht und sehr schwer zu behandeln ist. Bisher ist kaum verstanden, warum nur ein kleiner Teil der Betroffenen solche Schmerzen entwickelt, obwohl bei vielen die gleichen Hirnregionen betroffen sind.
In unserer Studie nutzen wir moderne Magnetresonanztomografie, um die Gehirne von Patienten mit ähnlichen Schlaganfallmustern zu untersuchen – sowohl bei jenen mit Schmerzen als auch bei jenen ohne. Auf diese Weise wollen wir die Ursachen dieses Schmerzsyndroms besser verstehen und neue Ansätze finden, um Betroffenen in Zukunft gezielter helfen zu können.
| Studienleiter: | PD Dr. med. Andreas Nowacki |
| Studienkoordinatorin: | Nicole Söll |
| Studienregister: | NCT05335668 |
| BASEC-Nummer: | 2020-02640 |
Projekt Endovaskuläre EEG-Sonden zur präzisen Lokalisierung epileptischer Herde
Flow driven endovascular electroencephalography (endoEEG) probes for epilepsy treatment
In diesem gemeinsamen Forschungsprojekt entwickeln Prof. Dr. med. Claudio Pollo (Neurochirurgie Inselspital) und Prof. Dr. med. Maxime Baud (Neurologie Inselspital) sowie Prof. Dr. Mahmut Selman Sakar (Laboratoire de Systèmes MicroBioRobotiques, EPFL) neuartige endovaskuläre EEG-Technologien zur präzisen Lokalisation epileptischer Aktivität im Gehirn.
Für die chirurgische Behandlung von medikamentenresistenter Epilepsie muss im Vorfeld der genaue Ursprungsort der epileptischen Anfälle im Gehirn präzise und sicher bestimmt werden. Erforscht wird hierfür eine neue Methode: das endovaskuläre EEG (endoEEG). Dabei werden EEG-Signale über Blutgefässe im Gehirn gemessen, was weniger invasiv ist als bisherige Verfahren mit direkt implantierten Elektroden.
Ziel des Projekts ist es, in präklinischen Experimenten zu zeigen, dass diese Methode:
- Gehirnsignale aus der motorischen Hirnrinde zuverlässig aufzeichnen kann,
- epileptische Anfälle erkennt, die gezielt ausgelöst wurden, und
- den epileptischen Herd sehr genau räumlich lokalisieren kann.
Langfristig soll endoEEG helfen, Epilepsieoperationen sicherer und präziser zu machen.
Das Projekt wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanziell unterstützt und vereint klinische Expertise mit ingenieurwissenschaftlicher Spitzenforschung.










